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Studie: Junge Frauen meiden die Finanzbranche

Von Männern dominiert, familienfeindlich, unmoralisch – folgt man den Ergebnissen einer Studie der Universität Mannheim, so sind das die drei Hauptgründe, warum Frauen die Finanzbranche meiden. Doch handelt es sich nur um Vorurteile? Nein. Die Klischees stimmen leider noch immer.

Studienergebnisse zeigen, warum sich Frauen nicht für die Finanzbranche interessieren

In den Führungspositionen sitzen ausschließlich Männer. Ein Blick in die 100 größten Banken des Landes zeigt, dass hier nur sehr selten Frauen zu finden sind. Das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung“ (kurz: DIW) kam zu einem eindeutigen Ergebnis: 9 Prozent sind Frauen, 91 Prozent Männer. Folgt man einer Studie des „Frauenkarrierenetzwerkes Fondsfrauen“, die gemeinsam mit der Unternehmensberatung „KPMG“ durchgeführt wurde, so finden sich in den Vorständen der Fondsbranche sogar noch weniger Frauen – der Anteil beträgt gerade einmal 6 Prozent. Zudem sind gerade einmal nur 10 Prozent aller US-amerikanischen und deutschen Fondsmanager weiblich. Doch warum entscheiden sich nicht mehr Frauen für die Finanzbranche?

Die Ergebnisse im Detail

Vorwiegend sind die Frauen der Meinung, die Finanzbranche sei nicht familienfreundlich und wäre von Männern dominiert. Im Zuge der Studie waren rund 50 Prozent der Frauen der Ansicht, sie würden sich nicht wohlfühlen, wenn sie in der „Minderheit“ oder gar „deutlich unterrepräsentiert“ seien. Zudem waren auch 50 Prozent der Meinung, die Finanzbranche sei nicht familienfreundlich. Ein weiterer Aspekt: Frauen möchten die eigenen Moralvorstellungen mit den Joberfordernissen in Einklang bringen – das ist jedoch, der Meinung waren ebenfalls mehr als die Hälfte der Befragten, in der Finanzbranche nicht möglich. 99 Prozent der Befragten gaben zudem an, die Jobs seien vom Wettbewerb gekennzeichnet. 76 Prozent der männlichen Studienteilnehmer würden das zwar gut finden, jedoch nur rund 50 Prozent der Frauen. Die Studienergebnisse zeigten deutlich, dass Frauen auch mehr Interesse an einer Teamarbeit als Männer haben. Zudem waren die Studienteilnehmer der Ansicht, die Finanzbranche sei inhaltlich keineswegs spannend und aufregend. Viele Frauen würden lieber in einer Personalabteilung oder im Marketing tätig werden – die männlichen Teilnehmer gaben hingegen an, sich durchaus einen Job im Portfolio-Management-Bereich oder als Analyst – beispielsweise in den Währungsmärkten – vorstellen zu können. Ein weiteres Studienergebnis zeigte auch, dass viele Frauen der Meinung seien, das Gehalt sei deutlich geringer, weil sie Frauen sei würden. Das könnte, so die Autoren der Studie, auch zum sogenannten „Gender Pay Gap“ beitragen – viele Frauen würden, trotz derselben Qualifikation, noch immer deutlich weniger als die „Herren der Schöpfung“ verdienen. Der „Gender Gay Gap“, also der Gehaltsunterschied, der aufgrund unterschiedlichen Geschlechts resultiert, betrug im Jahr 2016 rund 21 Prozent. Eine Größenordnung, die schon seit mehreren Jahren unverändert ist.

Nun sind die Politiker an der Reihe

Vor mehr als zwei Jahren entschied sich die Bundesregierung für die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote für Aufsichtsräte. In weiterer Folge wurden die Firmen darauf hingewiesen, den Frauenanteil in den Führungsebenen anzuheben. Doch das Gesetz zeigte noch keine Wirkung. Der Frauenanteil ist nur minimal gestiegen. Das Gesetz, das durchaus umstritten war, trat Mitte 2015 in Kraft. In weiterer Folge wurden 100 börsennotierte Großunternehmen verpflichtet, deutlich mehr Frauen einzustellen – das Ziel sei eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent. In den betroffenen Unternehmen konnte jedoch nur ein Zuwachs von 25 Prozent auf 27,3 Prozent verbucht werden. Jedoch handle es sich hier nur um die Aufsichtsräte. Andere Vorstandsposten sind von dieser Quotenregelung ausgenommen. Das ist auch der Grund, warum der Frauenanteil durchschnittlich 7,3 Prozent beträgt, wenn alle Vorstandsposten berücksichtigt werden. Genau deswegen sprach sich die ehemalige Familienministerin Manuela Schwesig zu Beginn des Jahres 2017 dafür aus, auch hier eine Quote einzuführen. Katarina Barley, die amtierende Familienministerin, setzte sich ebenfalls für diese Pläne ein. Noch ist jedoch unklar, ob es zu einer derartigen Quotenregelung kommen wird. Schlussendlich ist noch nicht fix, ob die Politikerin auch weiterhin das Amt der Ministerin bekleiden wird, sofern sich CDU/CSU und SPD doch noch für eine gemeinsame Regierung entscheiden können.